31-05-2020 – Kindheitsträume

Nach 9 Jahren sind gestern endlich wieder von Florida aus Astronauten ins All geflogen. Gefährlich ist das Unternehmen. Ich hoffe und bete, dass es gut geht.

Ich kann mich deswegen auch dafür begeistern, weil es mich an meine Kindheit erinnert, als die Flüge zum Mond stattfanden. Fantastisch war das. Das Lebensgefühl damals habe ich sofort wieder vor Augen. Fernsehen gab es zuhause nur schwarzweiß – drei Programme. Im Lokal bekamen Kinder eine Sinalco – lauwarm natürlich. Und Pizzeria gab es in meiner Heimatstadt, die sich „junge Großstadt“ nannte, glaube ich nur eine oder so. 

Es war eine kleine Welt damals, von der aus wir zum Mond blickten.

Ich sehne mich nicht danach zurück. Die Raumschiffe heute sind cooler. Es gibt heute bessere TV-Serien on demand – und die Nachkommen der Menschen aus dem Süden sind Bürger wie du und ich.  

Erinnerungen sind manchmal sehr schön, aber wir sollen im Heute leben und dabei für morgen ein Ziel vor Augen haben.

Schon Jesus hat ja klar gemacht: das Reich Gottes liegt nicht in der Vergangenheit. Das Reich Gottes liegt vor uns.

Passen Sie auf – auf sich und andere!

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30-05-2020 – Pest und Covid

Mit der Pest wurde die Corona-Epidemie immer wieder verglichen. Manches ist ganz anders, manches ähnlich. Wir haben genügend wissenschaftliche Fähigkeiten, um der Covid-19 Epidemie entgegen zu treten – andererseits sind manche Gefühle und Verhaltensweisen durchaus ähnlich wie im 14. Jahrhundert. Der Dichter Boccaccio hat das am Anfang seines „Decamerone“ geschildert, wie die Pest in Florenz wütet und jeden tötet – egal, ob er sich schützt, ob er lebt, als gäbe es kein morgen, oder ob er fliehen will. Niemand entkommt der Pest.

So ist das heute natürlich nicht. Wer Abstand hält und Mundschutz trägt, senkt die Wahrscheinlichkeit einer Infektion erheblich – für sich und andere. Aber der Dichter meint etwas anderes: Er zeigt in seiner Geschichte: Wer nur ums Überleben kämpft, wird nicht überleben. Wir Menschen sind einander keine wilden Tiere und auch keine dummen Schafe. Wir sind fähig zu Liebe und zu Erkenntnis. Es ist fantastisch, was in den letzten Wochen geleistet wurde. In Medizin und Versorgung natürlich, aber eigentlich von uns allen. Natürlich sind Fehler passiert und natürlich gibt es ein paar dumme Menschen, die Dummes sagen. Aber sind dabei, neue Herausforderungen zu meistern, die es in dieser Größenordnung in den letzten 70 Jahren nicht gab. Wir machen das gut.  Ein guter Geist leitet uns.

Ich wünsche Ihnen ein frohes Pfingstwochenende.

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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29-05-2020 – Angst als Leidenschaft

Thomas Hobbes kann einem leid tun. „Die einzige Leidenschaft meines Lebens war die Angst.“ hat er geschrieben. Im 17. Jahrhundert, in dem er lebte, furchtbar auf der Welt: In England herrschte Bürgerkrieg nach der großen Feuer-Katastrophe 1666 wollte man ihn in London sogar wegen Gotteslästerung hinrichten. Hobbes hatte allen Grund zur Angst – und hat auch Theorie entwickelt, wie man ihrer Herr werden kann.

Angst ist nämlich ein kluges Gefühl, wenn sie uns hilft, Gefahren zu erkennen. Wenn die Gefahren aber erkannt sind, sollte man sich von der Angst lösen und vernünftig handeln. Das ist oft nicht einfach. Wer Schlimmes erlebt hat, wird die Angst davor oft nicht los, dass das wieder passieren könnte. Und oft ist die Angst berechtigt. „In der Welt habt ihr eben Angst“, sagt Jesus. Und dann sagt er nicht: Reißt euch mal zusammen! – sondern er fährt fort: „Aber seid getröstet. Ich habe die Welt überwunden.“

Angst vergeht nicht einfach. Jesus nimmt das ernst. Aber Angst sollte nicht unser Weltbild sein. Sie soll uns nicht davon abhalten, die Welt so zu sehen, wie Jesus sie wollte: friedlich, liebevoll und frei.

Seien sie behütet.

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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28-05-2020 – Glaub‘ nicht alles

Ich glaube, der hat recht, der Martin Luther.  Dass man nicht alles glauben soll, was im Internet steht. Schon lange vor der Elektrizität hat er das offenbar gewusst.

Natürlich ist die Ironie hier überdeutlich. Das Internet ist voll von solchen Memes, die uns davor warnen, alles für bare Münze zu nehmen, was jemand gepostet hat.

Mit Glauben hat das übrigens nichts zu tun. Man kann nicht „glauben“, dass das uns geheime Corona-Chips implantiert wurden, sowenig wie man „glauben“ kann, dass die Erde eine Scheibe ist. Glauben heißt nicht, etwas Unsinniges für wirklich zu halten. Man kann nicht jeden Mist glauben. 

Glauben gibt es nur in Bezug auf Dinge, bei denen es für uns selbst um Alles oder Nichts geht. Beim Glauben geht es um Leben und Tod, um Ewigkeit und Vertrauen, um Liebe und Hoffnung.

Glauben ist für manche Theologen so etwas wie ein Gefühl. Das Gefühl der „schlechthinnigen Abhängigkeit“, das Ergriffenensein von dem, was uns unbedingt angeht. Das spürt man, wenn man in der Trauer von schöner Musik getragen wird, wenn man in einer alten Kirchen die Kerzen und die Fenster betrachtet. Glaube zeigt sich, wenn wir mit anderen weinen und mit anderen Lachen, wenn wir spüren, dass es jenseits aller Grenzen etwas gibt, das uns trägt und hält. 

Gott, der die Liebe ist.

Er segne Sie jetzt und den ganze Tag.

 

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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27-05-2020 – Dorothy Levitt

Kennen Sie Dorothy Levitt? Eine besondere Frau, wie man bei Mercedes in Stuttgart lernen kann. Dorothy Levitt hat den Rückspiegel fürs Auto erfunden. 1909. Die britische Rennfahrerin gab ihren Geschlechtsgenossinnen den Tipp, immer einen Handspiegel beim Autofahren dabei zu haben – um nach hinten schauen zu können. Ab 1914 montierte man dann tatsächlich serienmäßig Spiegel ans Auto. Ihr anderer Ratschlag hat sich nicht durchgesetzt. Sie empfahl allen Frauen eine Schusswaffe, vorzuweisen einen Automatik-Colt, im Handschuhfach zu haben, vor allem, wenn sie alleine unterwegs sind. Nun gut.

Das mit dem Spiegel aber war ein toller Tipp. Man sieht, ob hinten etwas los ist, und kann trotzdem den Blick nach vorne gerichtet halten. Wie im Leben: „Wer zurück schaut, ist nicht geschickt für das Reich Gottes“, sagt Jesus. Wie beim Autofahren zählt vor allem, was vor einem liegt. Sicher ans Ziel zu kommen.

Seien Sie behütet.

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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26-05-2020 – Eigentlich anders

„Eigentlich bin ich ganz anders, nur komme ich so selten dazu“. In den letzten Wochen hatte man ja abends genügend Zeit, nachzudenken, auch über sich. Und das Zitat von Ödön von Horvath trifft’s, wenn ich so manchmal auf mich schaue.

Eigentlich bin ich gelassen, hilfsbereit und vernünftig. Nie nachtragend, immer das Beste im anderen vermutend – aber jetzt rutsche ich schon in die Ironie hinein. Denn so bin ich natürlich nicht. Oft bin ich genervt, nicht immer hilfsbereit und manchmal auch unvernünftig.

Oder bin ich eigentlich doch ganz anders? Vielleicht macht man sich am besten gar kein so festes Bild von sich selbst. Wichtiger, als wie ich eigentlich bin, ist es, wie ich daherkomme. Und da muss man sich manchmal halt anstrengen, um zu erfüllen, was im Philipperbrief steht: Tut nichts aus Eigennutz oder weil ihr angesehen sein wollt. Und schaut nicht, nur, was ihr davon habt, sondern auch auf das, was dem andern dient.

Seien Sie behütet!

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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25-05-2020 – Tomaten-Weisheit

„Wissen ist, gelernt zu haben, dass Tomaten Früchte sind. Weisheit bedeutet, sie trotzdem nicht in einen Obstsalat zu schneiden. Und Philosophie ist das Nachdenken darüber, ob das bedeutet, dass Ketchup ein Smoothie ist.“

Der Spruch gefällt mir. Er zeigt, dass es ganz verschiedene Arten von Erkenntnis gibt. Zur Zeit heißt das vielleicht: Wissen ist das, was die Wissenschaft bis heute erkannt hat. Weisheit bedeutet, bereit zu sein, dass man morgen mehr und anderes weiß. Und Philosophie ist dann wohl wieder bei Sokrates angekommen: Ich weiß, dass ich nichts weiß.

Und Theologie? Die sagt dann: Ich glaube, dass Gott es gut mit uns meint, wenn er Tomaten wachsen lässt. Und ebenso gut meint er es mit uns, wenn er uns den Verstand gibt,  wissenschaftliche Erkenntnis mit unserem Glauben und unserer Liebe zu verbinden.

Passen Sie auf – auf sich und andere!

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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