Zur Hölle mit unseren Ängsten

2020-03-01Dass wir nicht im Paradies leben, erfahren wir tagtäglich, nur manchmal, wenn wir glücklich oder verliebt sind, vergessen wir es. Aber leben wir deswegen in der Hölle? Gewiss auch nicht. Finster kommt uns das Leben dann vor, wenn wir merken, dass es uns feind ist, genauer gesagt, dass andere uns feind sind. Oft genügt schon der Verdacht, dass der andere es böse meint, und die Dunkelheit frisst sich tief in uns hinein.

Kennen Sie den Film „Verdacht“ von Alfred Hitchock? Der eigentlich süße Cary Grant bringt dort in einer unheimlich ausgeleuchteten Szene seiner kranken Frau ein Glas Milch. Und Sie hat den Verdacht, es sei vergiftet und ihr Mann ein Betrüger und Mörder.Die Hölle sind eben zunächst nicht die anderen, wie Jean Paul Sartre behauptete, sondern erst mal unsere Ängste.

Und Ängste sind oft bedrohlicher als das, was tatsächlich droht. Dagegen hilft nur die Einsicht, dass wir lernen müssen mit Brüchen und Unklarheiten und Zweideutigkeiten zu leben. Vertrauen ist gut, und nichts ist besser, als Gott zu vertrauen, der uns in unserem ängstlichen Leben die Hand reicht.

Predigttext am Sonntag, 1. März 2020, ist 1.Mose 3, 1-19.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Nicht behindernd sein

behindert„Nicht behindert zu sein, ist kein Verdienst, sondern ein Geschenk, das einem täglich genommen werden kann.“ hat der frühere Bundespräsident Richard von Weizsäcker einmal geäußert, und es hat mich gefreut, als ich dieses Zitat wieder in einer Schule am Schwarzen Brett las. Zumindest deshalb haben wir allen Grund, Mitmenschen mit Handicap nicht auszugrenzen, sondern einzubeziehen.

Peinlich laut hat ein Blinder einmal Jesus um Hilfe gebeten, so dass seine wohlmeinendem Nachbarn ihn zum Schweigen verdonnern wollten, um den „hohen“ Gast nicht zu belästigen. Aber Jesus tat genau das, was richtig war und Vorbild ist. Er wandte sich dem zu, der ausgegrenzt werden sollte.

Predigttext am Sonntag, 23. Februar 2020, ist Lukas 18, 31-43.

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Auf dem falschen Dampfer

2020-02-16„Tausendmal berührt und tausendmal ist nix passiert!“ hat Klaus Lage mal gesungen, und manchmal macht es tatsächlich „boom!“. Manchmal kann man es tatsächlich anders machen. Besser, liebevoller, verantwortlicher.Die Geduld dazu, scheinen viele zu verlieren. Aber wenn man etwas für richtig hält, sollte man geduldig dafür einstehen, auch wenn nicht alle anderen gleich Hurra schreien. Mit der Nächstenliebe hatte Jesus recht – und seine Kirche nach ihm, auch wenn das häufig immer noch nicht verstanden ist. Das Gute braucht eben Zeit, und die, die dafür einstehen, ebenso.Und das natürlich nur nur, weil die anderen so langsam reagieren, sondern weil auch wir manchmal auf dem falschen Dampfersind und es bei uns dauert, bis wir etwas anders und besser machen.

Predigttext am Sonntag, 16. Februar 2020, ist Ezechiel 2 und 3 (in Auszügen).
Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim

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Das Leben ist ungerecht

476px-John_F._Kennedy_3c17124u_originalGleicher Lohn für gleiche Arbeit! lautet eine der wichtigsten Forderungen der Gewerkschaften. Richtig so, selbstverständlich. Bei Gott oder im Leben als Ganzes, könnte man auch sagen, gelten allerdings andere Regeln, zuweilen welche, die wir nicht durchschauen und auch nicht gut finden können. Wer zwölfmal so viel tut wie ein anderer bekommt trotzdem noch genau so viel. Wer anderen Gutes tut, hat genauso viel vom Leben wir der, der sich kaum für andere rührt? Das ärgert, das kann und will man nicht verstehen.

In der Bibel steht die provozierende Geschichte von den „Arbeitern im Weinberg“ – und wir können sie nur ratlos anhören. Ja, manche müssen schwer dafür arbeiten, dass ihr Leben gelingt, und anderen fällt die Gnade Gottes scheinbar in den Schoß. Das ist hart. Aber es ist so: Gott hat uns unser Leben gegeben, so wie wir sind: arm oder reich, gesund oder krank, beliebt oder einsam, gelassen oder geplagt.

Vielleicht beruhigt uns ja ein Zitat ein wenig, das gerne John F. Kennedy (Foto: gemeinfrei) zugeschrieben wird: „Das Leben ist ungerecht. Aber vergiss nicht: Nicht immer zu deinen Ungunsten!“

Predigttext am Sonntag, 9. Februar 2020, ist Matthäus 20, 1-16a.

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Hoffnung jenseits

2020-02-02Menschen, die Gott spielen, gibt es zu Genüge, die macht- (und meist auch geld-)gierigen Autokrat*innen ebenso wie die moralischen Besserwisser*innen, die sich im Besitz der Wahrheit glauben und über andere erheben. Und arm dran ist, wer solchen Gestalten nachläuft und sich auf sie verlässt. Denn es gibt keinen Grund, auf diese allzuirdischen Prophet*innen oder Götzen zu hören. Das hat die Geschichte immer wieder gezeigt. Und selbst im Alltag nerven uns die kleinen Götter, die sich in unser Leben einmischen oder es zumindest beurteilen wollen. Es lohnt nicht auf sie zu hören, auch wenn das zunächst verspricht, dass unsere Zweifel aufhören.

Weil wir im Leben immer wieder an Grenzen stoßen, brauchen wir Hoffnung. Ohne die Zuversicht, dass etwas anders oder gottseidank besser werden kann, möchte ich nicht leben und könnte ich nicht leben. Diese Hoffnung aber können Menschen nicht machen. Sie wird geschenkt und lässt sich erahnen. Hinter der Mauer unserer Sorgen liegt das andere,das Jenseits, die Ewigkeit, wo das Sein-Selbst – Gott – unsere Nähe sucht. Und zu uns ausstrahlt in Glaube, Liebe und Hoffnung.

Predigttext am Sonntag, 2. Februar 2020, ist Offenbarung 1, 9-18.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Wer will, ist dabei

2020-01-26Ein weißer alter Mann und eine junge schwarze Frau, ein bunter Vogel und ein grauer Kater, eine Arme und ein Reicher, eine aus gutem Hause und einer aus dem Trailer-Park, eine kluge Ärztin und ein naiver Tropf, ein Ami, ein Syrer und ein Deutscher, Kartoffel und Kümmel, jung und alt – es ist egal, wo jemand herkommt. Wichtig ist, wo er hin will: Zur Freiheit, zur Liebe, zum Glück. Und wie er das machen will: In Glaube, Liebe und Hoffnung.

Der christliche Glaube war seit Petrus und Paulus immer davon gekennzeichnet, dass Herkunft und Hautfarbe, sozialer Status und Geschlecht keine Rolle für ihn spielen (dürfen). Menschen dürfen nicht durch ihr Herkommen auf ihr Leben festgelegt werden. Wer leben will, wie Jesus es verheißen hat, ist willkommen und dabei. So steht es für den nächsten Sonntag in der Bibel.

Predigttext am Sonntag, 26. Januar 2020, ist Apostelgeschichte 10, 21-35.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Im Schützengraben gibt es keine Atheisten.

2020-01-19„There are no atheists in foxholes“ (Im Schützengraben gibt es keine Atheisten.) lautet ein Aphorismus des Feldgeistlichen William T. Cummings aus einem Gottesdienst während des Zweiten Weltkriegs auf den Philippinen. Und so wenig sich damit Gott beweisen lässt, so sehr bin ich auch aus eigenen Erfahrung davon überzeugt, dass in den Stunden der Not jeder auf je seine Weise sich an eine höhere Macht wendet oder daran glaubt.

Manchmal allerdings bleibt diese Hinwendung zu Gott auf halbem Wege stecken, in einer Leere, die uns Gott unendlich fern scheinen lässt. Diesem „abwesenden“ Gott ist schon Martin Luther begegnet, als seine Tochter starb und er in Verzweiflung stürzte.

„Du musst halt glauben!“ hilft da wenig. Eher schon die Zusage: „Auch wenn du gerade nicht glauben kannst, dass Gott es gut mit dir meint, so ist er in jedem Fall bei Dir. Das lass dir gesagt sein.“

Predigttext am Sonntag, 19. Januar 2020, ist Jeremia 14, 1-9.

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