Was nicht zur Tat wird, hat keinen Wert

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Sozialer Visionär – Gustav Werner (Abb. gemeinfrei)

„Was nicht zur Tat wird, hat keinen Wert“, lautete das Motto von Gustav Werner. Und als er die Not elternloser Kinder sah, quittierte er – eher unfreiwillig – den Pfarrdienst und gündete eine Waisenhaus. (Später nahm er dort den in Heilbronn geborenen Wilhelm Maybach auf, der bei Werkstattleiter Gottlieb Daimler lernte…. Sie wissen vielleicht, wie die Geschichte weiterging.)

Tatsächlich halte ich von Leuten, die guten Absichten haben, denen aber die Konsequenzen egal sind, nicht viel. Heuchler und Moralisten können einem doch wirklich gestohlen bleiben. Wichtig ist, dass man sieht, was helfen würde, und tut, was notwendig ist. So wie Gustav Werner.

Predigttext am Sonntag, 20. Oktober 2019 ist Jakobus 2, 14-26.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim

P.S. Für Interessierte zur Geschichte von Gustav Werner und Wilhelm Maybach: https://www.evangelisch.de/inhalte/112751/14-02-2015/was-nicht-zur-tat-wird-hat-keinen-wert

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Gutes zählt, egal aus welchen Gründen wir es tun

2019-10-13

Wichtig ist, das man hilft – das Warum ist zweitrangig.

In Schubladen könnte man die Frau leicht stecken: Prostituierte, Hausbesitzerin, vielleicht sogar Kapitalistin – dazu Verräterin und sie hilft anderen nur, wenn ihr selbst auch geholfen wird. Aber sie hilft anderen und darauf kommt es an.

Rahab heißt die Frau, im biblischen Buch Josua wird von ihr erzählt, und ich finde es erstaunlich, das dabei nichts beschönigt wird. Wichtig ist allein, was dabei rauskommt: Rettung.

Heute wird von nahezu jedem, der in der Öffentlichkeit wirkt, moralische Vollkommenheit gefordert. (Nur bei den eigenen Leuten drückt man natürlich ein Auge zu.) Dabei geht es doch nicht darum Gutes zu beabsichtigen, sondern Gutes zu tun. Die Konzentrations- und Umerziehungslager dieser Welt wurden von Idealisten erbaut. In der Geschichte von Rahab zählt nur die Praxis. Das finde ich gut und daran kann ich glauben.

Predigttext am Sonntag, 13. Oktober 2019, ist Josua 2, 1-21.

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Das Gute im Leben

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Erntedankaltar in der Sontheimer Matthäuskirche (Foto: Treiber)

Wie schnell man doch vergisst! Bang hat man auf das Ergebnis beim Arzt gewartet, ängstlich an die Zukunft der Firma gedacht, sorgenvoll die Krise in der Partnerschaft erlitten. Und im Jahr darauf ist schon fast vergessen, dass Krankheit kuriert ist, der Arbeitsplatz gesichert und dass man wieder viele glückliche Momente in der Ehe erlebt.

Dass wir das Gute als selbstverständlich nehmen, ist zunächst oft weniger das Problem, als dass wir die Momente der Bedrohung so schnell vergessen. Das sind ja häufig die Situationen, in denen wir merken, dass wir leben und dass wir ein gutes Leben haben wollen und bereit sind, darum zu ringen. Das sind die Situationen, in denen wir etwas lernen können; vor allem den Unterschied zwischen dem, was im Leben wichtig ist, und was nur so dazugehört oder nicht. Streit um Nachbars Apfelbaum lohnt nicht, Ringen um ein erfülltes Leben schon.

Um zu erkennen, was im eigenen Leben wichtig ist, gehört wohl auch das Bewusstsein, dass man das Glück in seinem Leben letztlich nicht selbst geschaffen hat, sondern geschenkt bekommt, als Leben, als Liebe und als Erfahrung.

Das könnte dieses Jahr der Erntedank sein: Im Herzen Gott Danke zu sagen für das Gute in unserem Leben – und unseren Liebsten zu danken für alle Liebe.

Predigttext zum Erntedankfest ist Jesaja 58, 7-12.

 

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Keine Sorge!

2019-09-29Vor ein paar Jahren hat eine Australierin interessante Interviews geführt und Menschen, die in der Ruhestand gingen, gefragt, was sie am meisten in ihrem Leben bereuen. Erwartet wurden Antworten wie „Ich habe zu viel gearbeitet und mich zu wenig um meine Familie gekpümmert“ oder „Ich habe viel zu sehr darauf geachtet, was andere von mir denken.“ Aber die Mehrheit der Befragten bereute etwas ganz anderes und sagte: „Ich habe mir in meinem Leben viel zu viele Sorgen gamacht.“

Diese Weisheit fehlt mir ehrlich gesagt noch. Ich mache mir dauernd Sorgen – über alles mögliche. Und wenn konkrete Anlässe fehlen genügt ein Blick in mögliche Krankheitsstatistiken und ich glaube, ein kommendes Zipperlein zu spüren. Lächerlich eigentlich, aber ich denke, ich bin da nicht allein.

Da wünsche ich mir, dass mein Glaube ruhig etwas fester sein könnte. „All eure Sorge werft auf Gott.“ heißt es in der Bibel. Richtig werfen! Loswerden mit Schmackes! Manchmal klappt es. Nicht immer, aber immer öfters. Also sollte ich mir als nächstes ums Sorgen-Loswerden auch keine Sorgen machen, sondern dem Ruf einfach folgen: „All Deine Sorgen wirf auf Gott!“ und „Always look on the bright side of life.“

Anfang des Jahres im Krankenhaus waren das ganz hilfreiche Sätze.

Predigttext am Sonntag, 29. September 2019 ist 1.Petrusbrief 5, 5b-11.

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Stairway to Heaven

2019-09-22

Martin Puryear, Ladder for Booker T. Washington, Modern Art Museum of Fort Worth (Foto: Treiber)

Die Stairway to Heaven bestimmt den nächsten Sonntag in den Predigten, die Himmelsleiter, die nächtens dem Jakob erscheint, der auf der Flucht vor seinem Bruder ist, den er betrogen hat.

Während der Song von Led Zeppelin allerdings in mystischer Unklarheit bleibt, führt der Traum des Jakob zu Klarheit: Gott ist mit uns, auch wenn wir Mist bauen.

Darauf zu vertrauen lernt man, wenn man auf die Zeichen achtet, die Gott uns schickt. Manchmal sind das Träume, häufig Bibeltexte und in der Regel andere Menschen, die uns in Liebe begegnen.

Predigttext am Sonntag, 22. September 2019, ist 1.Mose 28, 10-19a
Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Alle Menschen werden Brüder

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Berlin, Leipziger Platz 2019 (Abb.: Treiber)

Klassik-Musik gefällt nicht jedem, aber praktisch jeder kennt „Freude schöner Götterfunken“ von Beethoven zum Text von Friedrich Schillers Ode an die Freude. Zum 60. Geburtstag der Bundesrepublik Deutschland 2009 stand ich in einer großen Menge Menschen vor dem Brandenburger Tor, es wurde gelacht und gefeiert, tolle Stimmung, und als der Schlussteil der 9. Symphonie anfing, schwiegen alle ergriffen und manche sangen die bekanntesten Zeilen auch mit. Der Klang war zwar suboptimal, aber von der Bedeutung her war das Klassik at it’s best. Viele Menschen, die zusammen davon singen, dass alle Menschen Brüder werden und von dem Gedanken ergriffen sind, dass alle Menschen zusammengehören – was will man mehr!

Dieser Gedanken ist im Westen, genauer in der Aufklärung entwickelt worden: Wir Menschen sind alle gleich, weil wir alle Kinder eines Schöpfers sind. Thomas Jefferson und der Marquis de Lafayette haben daraus die Menschenrechte formuliert. Eine der wichtigsten Ursprünge der Menschenrechte stammt von Jesus Christus (auch wenn seine Kirche dies oft genug verraten hat und verrät), der Gedanke, dass alle Brüder und Schwestern sind, dass Blutsverwandtschaft dabei nichts zählt und wir deshalb gerade in aller Verschiedenheit zusammengehören und Kinder eines Schöpfers sind (die Aufklärer würden ergänzen: egal, wen wir für den Schöpfer halten.)

Ich mag den Gedanke übrigens lieber konkret in Kurzfassung: Ich bin Gottes Kind und jeder andere Mensch auch.

Predigttext am Sonntag, 15. September 2019 ist Markus-Evangelium 3, 31-35.

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Anders als man denkt

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Immer noch up to date – Blaise Pascal (Abb.: gemeinfrei)

„Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.“ heißt eine vielzitierte Lebensweisheit, die gelegentlich Wilhelm Busch zugeschrieben wird. Religiös hat das schon der Mathematiker Blaise Pascal auf den Punkt gebracht: „Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, erzähl ihm von deinen Plänen.“ Beides ist uns klar und dennoch denken wir immer wieder, wir könnten planen: Unser Leben und das unserer Kinder, den Ruhestand und unsere Gesundheit. Aber Prognosen haben eben das Grundproblem, dass niemand weiß, wie die Zukunft aussieht. 1962 meinte eine große Plattenfirma, dass die Beatles bald aus der Mode kommen. 1975 haben Wissenschaftler noch eine neue Eiszeit propagiert und die Fehlprognosen des Club of Rome sind Legion. Politisch sollten wir also lieber versuchen, die heutigen Probleme zu lösen, als uns die morgigen möglichst schrecklich auszumalen.

Privat gilt das natürlich genauso. Unser Erwartungen und oft auch Befürchtungen haben mit der Wirklichkeit oft wenig zu tun. Am besten ist es, heute offen zu sein für das, was geschieht und von uns verlangt ist. Um den morgigen Tag brauchen wir uns nicht zu kümmern, hat Jesus gesagt. Wenn es um die Zukunft geht, sollten wir keine Pläne machen, sonder besser Gott im wahrsten Sinn des Wortes „einen guten Mann“ sein lassen. Wie es dem Gelähmten aus der Bibel ergeht, der Petrus und Johannes um Geld anbettelt – und am Ende geheilt dasteht. Manchmal ist es doch gut, wenn es anders kommt, als man denkt.

Predigttext am Sonntag, 8. September 2019, ist Apostelgeschichte 3, 1-10.

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