Sorgenfresser und Dämonen

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Breites Maul, das verschlossen werden kann: Der Sorgenfresser (Foto: Treiber)

„Und welche Dämonen verfolgen dich nachts, wenn du nicht schlafen kannst?“ fragt in dem bekannten Thriller „In the Line of Fire“ der Geheimagent den Attentäter, der ihm immer noch sein Versagen bei einem Anschlag vorhält. Jeder von uns kennt die Gedanken, die in einem mahlen, wenn man nachts nicht schlafen kann. Ob wir die nun böse Geister nennen oder Sorgen ist im Endeffekt gleichgültig: Es sind Mächte, die uns nicht loslassen und das Leben schwer machen.

Geister auszutreiben, hat man früher in der Kirche versucht, aber dabei hatte man wohl etwas falsch verstanden. Gewalttätiger Hokuspokus nützt bei Sorgen nichts. Wenn Jesus Geister austrieb, dann tat er das, was er immer tat. Er begegnete allen Menschen mit Liebe. So gab er ihnen die Möglichkeit, ihre Sorgen loszuwerden und vertrieb die bösen Geister und Gedanken.

Geteilte Sorgen sind halbe Sorgen, sagt man, aber manchmal möchte man andere auch nicht belasten. Da hilft vielleicht der Sorgenfresser, den es bei der Aufbaugilde Heilbronn gibt (siehe Foto). Man schreibt seine Sorgen auf einen Zettel und lässt ihn in der Bauchtasche des kleinen Dämons verschwinden – und weg damit! Ob das hilft? Es scheint mir jedenfalls einer erste Schritt in die richtige Richtung zu sein: Sich vom Sorgenmachen zu lösen, um die Probleme anzugehen.

Predigttext am Sonntag, 22. Oktober 2017, ist Markus 1, 32 bis 39.

Pfarrer Treiber feiert den Gottesdienst am kommenden Sonntag zusammen mit der Aufbaugilde Heilbronn, zum Thema: „Was ich schon immer einmal loswerden wollte“. Die Feier beginnt um 10.00 Uhr in der Matthäuskirche Sontheim. >nähere Infos

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Nicht am Geld hängen?

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Ein erfülltes Leben hängt nicht am Geld, sondern daran, dass man Gutes tut. (Foto: Treiber)

Mit Geld geht es einem definitiv besser als ohne Geld, keine Frage. Mit Geld kann man sorgenfreier und gesünder leben, während sich ohne Geld die Probleme schneller türmen. Deswegen ist es gut, wenn wir auch mit unserem Geld solidarisch umgehen. Dennoch: Das Wesentliche im Leben ist unbezahlbar. Das weiß jeder. Nur: Wenn es drauf ankommt, zucken wir zurück wie der junge Mann, den Jesus vor die Wahl stellte: erfülltes Leben oder gefüllter Geldbeutel.

 

„Der reiche Jüngling“ aus der Bibel: Man hat ihn oft verächtlich gemacht, weil er so „an seinem Geld klebe“, aber es war das Erbe, das seine Vorfahren vermutlich hart erarbeitet hatten. Das einfach weggeben? Man hat dem jungen Mann Egoismus und Materialismus vorgeworfen und dabei einen wichtigen Satz übersehen: Jesu „gewann ihn lieb“, steht da in der Bibel. Kein Wort der Verurteilung! Der jungen Mann ist noch auf der Suche. Gut, wenn er dabei nicht gleich jedem sein Geld hinterherwirft, sondern verantwortlich damit umgeht.

Wer älter ist, weiß: Ein erfülltes Leben hängt nicht am Geld, sondern daran, dass man sein Leben nicht ans Geld hängt. Eines Tages wird auch der junge Mann das erkennen. Oder können Sie sich etwas anderes vorstellen?

Predigttext am Sonntag, 15. Oktober 2017, ist Markus-Evangelium 10, 17-22.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Dämonisches

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Dämonisches in der Glücksspielstadt? (Foto: Treiber)

An Dämonen glaubt heute niemand mehr. Es gibt sie auch nicht, es gibt keine Geistwesen, die sich in eine Person schleichen und sie beherrschen. Oder vielleicht doch? Wenn ein durchgeknallter Rentner einen Massenmord in Las Vegas begeht? Wenn durchgeknallte Wutbürger, denen es so gut geht wie noch nie Menschen in der Geschichte, bei einer Demo die rechte (oder linke) Sau rauslassen? Wenn man selbst im entscheidenden Moment das Falsche tut, und weiß, dass es falsch ist?

 

Sind wir Herr (oder Frau) unserer selbst? Zweifel sind angebracht. Und dennoch haben wir gar keine andere Möglichkeit, als Menschen für das, was sie tun, verantwortlich zu machen: Den Killer in Las Vegas für die Schüsse, die Wutbürgerin in Stuttgart für ihr unflätiges Benehmen der jungen Polizistin gegenüber – und wir selbst werden schließlich immer von anderen nach unserem Tun beurteilt.

Am kommenden Sonntag ist in der Predigt von einer Dämonenaustreibung die Rede. Das klingt fremd und sollte auch fremd bleiben. Von Dämonen zu reden, kann nur bildhaft gemeint sein. Jeder bleibt für sein Tun verantwortlich, solange sein Geist nicht gestört ist. Allerdings, und das lehrt die Geschichte: Wir sollten strikt zwischen Person und Tat trennen. Menschen sind immer mehr als das, was sie tun. Jesus hat gerade den „Sündern“ die Hand hingehalten und so die Dämonen aus den Leben von Menschen vertrieben, die uns Unverantwortliches tun lassen.

Predigttext am Sonntag, 8. Oktober 2017, ist Markusevangelium 9, 17-27.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche in Heilbronn-Sontheim.

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Das Jahr ohne Sommer ist vorbei

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Aus Freude, dass das Jahr ohne Sommer vorbei war, wurde das Cannstatter Volksfest gestiftet. Hier ein Druck aus dem Jahr 1824. (wikicommons/gemeinfrei)

Das Jahr ohne Sommer ist endlich vorbei – freuten sich die Menschen vor genau 200 Jahren. Nach dem Ausbruch des indonesischen Vulkans Tambora zwei Jahre zuvor verdunkelte sich der Himmel auf der Nordhalbkugel und es gab 1816 keinen Sommer und damit auch keine Ernte. Man kann sich die Freude vorstellen, als 1817 endlich wieder Getreide und Wein wuchs. Anlass, dies in einem großen Erntedankumzug auch in Heilbronn zu feiern. (Und in unserem Familiengottesdienst am 1. Oktober 2017 um 11 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim werden wir genau an dieses Ereignis erinnern.)

Wann habe ich mich eigentlich zum letzten Mal riesig darüber gefreut, dankbar sein zu können: Für mein Leben und die Gesundheit, für meine Familie und meinen Beruf, für Freunde und Liebe, für Hoffnung und Hilfe?

Am Sonntag werde ich es tun, wenn ich beim Stillen Gebet vor dem Altar stehe: Danke Gott, für dies alles! danke für alles Gute, für alles Glück – und für die Kraft, das, was nicht so gut ist, tragen zu können.

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Wie viel braucht man?

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Auch wer auf den Euro schimpft, hätte ihn gerne…… (Foto: Treiber)

Nur wenig ist zuhause befreiender, als alte Kleider und alte Bücher auszusortieren und sie abzugeben. Besitz macht nicht wirklich glücklich und etwas unbedingt besitzen wollen, macht sogar meist unglücklich. Zugleich beruhigt Besitz aber ungemein, wie man sagt, und es war, glaube ich, ein erfolgreicher deutscher Tennisspieler, der einmal meinte: Wenn die Leute wüssten, wie viel Glück man sich mit Geld kaufen kann, würde es eine Revolution geben….

 

Nur: Was würden Sie sich kaufen, wenn Sie viel Geld hätten? Ich denke, die meisten denken dabei zunächst an ein Haus zum darin wohnen, an das Ticket für eine Weltreise, an eine Absicherung fürs Alter – und dann? Dann käme vielleicht schon der Gedanke, anderen etwas Gutes zu tun, den Kindern oder Enkeln etwas abgeben oder etwas spenden.

Wenn Sie zehn Million Euro im Lotto gewinnen würden, würden Sie davon etwas für gute Zwecke weitergeben? Die meisten Menschen, die ich gefragt habe, sagen dazu spontan ja. Wir Menschen sind offenbar gar keine solchen Egoisten, wie immer gesagt wird. Wir sind bereit, etwas abzugeben, wenn wir das für richtig und für gut halten. Unser Glück, das wissen wir nämlich fast alle, hängt nicht am Besitz, sondern daran, was wir damit tun, und wie sehr wir von ihm abhängig sind. Vielleicht gilt folgendes: Gut ist es, so viel zu besitzen, dass man sich frei fühlen kann, und ab dann sollte man vermeiden, davon abhängig zu werden.

Predigttext am Sonntag, 24. September 2017, ist Lukas-Evangelium 18, 28 bis 30.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Wunder gibt es immer wieder

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Erinnern Sie sich noch an Dr. Marcus Brody aus „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“? Das beste Zitat des Films hat er. (screenshot)

Naturgesetze gelten, keine Frage. Deswegen gibt es gute Gründe, Wundergeschichten zu misstrauen, und man kann ein tief glaubender Mensch sein, ohne es für wahr zu halten, dass ein Leprakranker tatsächlich nur durch ein Wort geheilt wurde.

Andererseits: Wunder gibt es immer wieder. Nicht so, wie wir sie erwarten, oft nicht einmal dort, wo wir sie erhoffen. Aber nach Jahren vergeblicher Suche begegnet man doch plötzlich der Frau fürs Leben, und in einem finsteren Gefängnis aus Sorgen, Leid und Angst öffnet sich plötzlich doch eine Türe hinaus. Alles erklärbar? Hinterher vielleicht, aber näher liegt mir hier, auf Dr. Marcus Brody, den Historiker aus den  „Indiana Jones“-Filmen, zu hören: „Je älter ich werde, desto mehr bin ich bereit, manche Dinge einfach zu glauben.“

Das bedeutet nicht, sich falsche Hoffnungen zu machen, aber es heißt: Ich weiß nie, was kommen wird. Aber ich hoffe, dass es gut wird.

Predigttext am Sonntag, 17. September 2017, ist Markusevangelium 1, 40-45.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10:00 Uhr in der Matthäuskirche, Heilbronn-Sontheim.

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Peinlich, diese Familienstreitigkeiten!

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Wenn andere laut werden, wird’s peinlich. (Foto: iStock)

Familienstreitigkeiten in der Öffentlichkeit sind peinlich. Wenn die 30jährige Tochter am Nebentisch ihre Mutter anpflaumt, sie solle sie gefälligst in Ruhe lassen und sich nicht dauernd in ihr Leben einmischen, dann spitzt man automatisch die Ohren und versucht wegzuhören, und wenn dann noch nachgelegt wird: „Sei doch leise, alle hören zu! – Nein, ich bin nicht leise!“, kann man nur verschämt zu Boden blicken. Peinlich!

Ähnlich muss es den Zuhörern ergangen sein, die einen handfesten Streit zwischen Jesus und seiner Familie mitbekamen. Maria und Jesu Brüder wollten ihren Sohn, der plötzlich Wanderprediger geworden war, wohl zurückholen – und holten sich eine Abfuhr: „Wer ist meine Mutter und meine Brüder?“ Auch im Hause Jesus hing der Haussegen zuweilen schief.

Toll, dass das in der Bibel überliefert wurde. Keine Schönrednerei findet sich dort, sondern die Wirklichkeit! Familien fällt es schwer, ihre Kinder ziehen zu lassen, wenn sie aus der Reihe tanzen. Umso erfreulicher, wenn die Familie wieder zusammenfindet. An seinem letzten Tag, ist seine Mutter bei Jesus – und nach seinem Tod übernimmt sein Bruder Jakobus das Vermächtnis und leitet die christliche Gemeinde.

Predigttext am Sonntag, 10. September, ist Markus 3, 31.35.

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