Einladung zum Christopher Street Day

IMG_5735

Die Kirche hat noch Nachholbedarf an Buntem – Regenbogenbank in Aarhus (Foto: Treiber)

„Die Welt hat nie eine gute Definition für das Wort Freiheit gefunden.“ meinte einst Abraham Lincoln. Worin besteht unsere Freiheit? Vermutlich würden die meisten nennen, dass sie sagen dürfen, was sie wollen, und dass sie leben können, wie sie es möchten. Der entscheidende Punkt ist aber: Billigen wir das auch anderen zu? Zur Freiheit gehört auch, die Freiheit des anderen ertragen, zu akzeptieren, dass er anders ist und anders denkt. Und das nicht, weil man ihm das großzügig zubilligt, sondern weil es sein natürliches Recht ist. Das Wesen des Menschen ist seine Freiheit – der biblische Mythos von Eva und Adam erzählt davon.

Kein Mensch darf einen anderen versklaven (auch nicht, um WM-Stadien zu bauen). Kein Mensch darf einen anderen zum bloßen Gegenstand machen (auch nicht in Diskussionen). Jeder muss so leben können, wie er es möchte, solange er die Freiheit anderer nicht einschränkt. „Alles ist mir erlaubt“, schreibt Paulus, der aber sogleich weiß: „Nicht alles dient zum Guten.“ Was das ist, muss aber jeder selbst und frei mit seinem Gewissen und in seinem Glauben abmachen.

Die Kirchen sind dieser Freiheit, wie man ehrlicherweise sagen muss, meist eher widerwillig hinterher geschlichen, als dass sie vorangingen. Dennoch ist sie ohne den christlichen Glauben nicht denkbar. Jesus und Paulus waren die ersten, die alle Menschen als frei bestimmt hatten. Das Umzusetzen ist immer noch eine Aufgabe der Kirche.

Vielleicht muss man unsere Kirche beim CSD in Stuttgart am 28. Juli daran erinnern?

Predigttext am Sonntag, 22. Juli 2018, ist 1.Korintherbrief 6, 9-14.18-20.
Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim

Advertisements
Veröffentlicht unter Neues Testament, Paulus | Kommentar hinterlassen

Demut 2018

Foto am 24.02.14 um 09.42 #2

Warnung der Künstlerin Jenny Holzer (Foto: Treiber)

Es gibt ein altbackenes Wort, dem ich gerne wieder mehr Beachtung wünschen würde: Demut.

Das klingt manchem vielleicht nach Unterordnung und Klein-gemacht-werden. Aber es meint das Gegenteil: Wahre Größe. Menschliche Größe, die darin besteht, dass man sich selbst nicht so wichtig nimmt; dass man seine Meinung nicht für die einzig richtige hält; dass man auch mal den Mund hält und nicht immer in den Chor der anderen einstimmt.

Wem ich Demut wünsche, fällt mir schnell ein: Dem arroganten Sänger, der für eine angeblich bessere Welt kämpft; der bekannten Journalisten, die sich für die Wichtigste in der Talkrunde hält; dem Betrüger aus besseren Kreisen, der nach dem Knast-Aufenthalt in jedem Blatt erzählt, was für ein guter Mensch er nun geworden ist. Und, upps!, mir selbst, der ich so klar die fehlende Demut bei anderen entdecke, die mir oft ebenso fehlt.

Das Johannes XXIII. zugeschriebene Zitat muss ich unbedingt an meinen Monitor kleben: „Nimm dich nicht so wichtig!“ Denn wenn Gott dich liebt, musst du dich nicht größer machen, als du bist, und kannst andere höher achten, als dich selbst, wie Paulus im Philipperbrief schreibt.

Predigttext am Sonntag, 15. Juli 2018, ist Philipper 2, 1-4

Veröffentlicht unter Neues Testament, Paulus | Kommentar hinterlassen

Etwas fühlt sich „richtig“ an

Kirche bleibt im dorf

Das fühlt sich doch gut an: „Die Kirche bleibt im Dorf“ (screenshot swr)

Es gibt solche Momente im Leben, wo einem plötzlich etwas klar wird. was man tun soll. Wer man ist. Wie schön etwas doch ist. Wie wertvoll uns andere Menschen sind. Momente, in denen wir verstehen – manchmal mit Verstand und Einsicht, oft aber eher im Herzen. Etwas „fühlt sich jetzt richtig an.“

Solche Momente im Leben sollte man ernst nehmen. Wie der Mann in der biblischen Geschichte, dem einer erzählte, was Jesus getan und gesagt hat. Das fühlte sich richtig an und der Mann ließ sich taufen.

Was tun wir, wenn etwas sich für uns „richtig“ anfühlt? Vielleicht: Es geschehen lassen. Oder anderen zu sagen, was man als richtig erkannt hat. Und manchmal, wenn man in schwierigen Situationen eine Erleichterung gefunden hat: Gott danken!

Predigttext am Sonntag, 8. Juli 2018, ist Apostelgeschichte 8, 26-39 (i.A.)

 

Veröffentlicht unter Neues Testament, Sonstige Schriften | Kommentar hinterlassen

„Goodbye Deutschland!“

goodbye-deutschland

(Bild: screenshot)

„Goodbye Deutschland“ heißt es seit zwölf Jahren dienstags auf VOX, und so sehr manche vielleicht ihre Nase über die Flut an Doku-Soaps rümpfen, Auswanderer beeindrucken mich in der Regel schon. Alles hier aufgeben, den Hausstand auflösen, das Auto verkaufen und ab in eine ungewisse Zukunft. Dass manche dabei auch mal zu naiv oder zu händsärmelig aufbrechen, was soll’s? Grund zur Schadenfreude ist das ganz und gar nicht, sondern eher zur Bewunderung: Solchen Mut hätte ich auch gerne!

Neben Mut braucht man dafür noch etwas anderes: Vertrauen. Vertrauen, dass es schon was werden wird; dass schon nichts schlimmes passieren wird; dass gewiss nicht alle Träume, aber manches von dem, was möglich ist, wirklich wird.

Und eigentlich brauchen auch wir, die wir zurückbleiben, diesen Mut und dieses Vertrauen. Jeden Tag! Und dass auf unserem Weg in die Fremde, oder auch nur in den neuen Tag, Gott mit uns ist und uns segnet, dass ist christliche Grundüberzeugung, wie am kommenden Sonntag in der Kirche zu hören sein wird, wenn es um die Geschichte von Abraham geht, der als alter Mann seine Sachen packte und anderswo neu anfing.

Predigttext am Sonntag, 1. Juli 2018, ist 1.Mose 12, 1-4.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

Veröffentlicht unter Altes Testament | Kommentar hinterlassen

Habt mit allen Menschen Frieden

Paper_bag_mask_with_4chan_smiley_at_Anon_raid

Wenn man sich über etwas ärgert, sollte man versuchen, darüber zu lachen. (Foto: iStock)

„Das war ein toller Mensch! Der hat sich nie etwas gefallen lassen. Wenn dem einer krumm kam, gab’s gleich contra. Bewundernswert: Der ist keinem Streit aus dem Weg gegangen.“

Wenn es um Nachrufe und Lebensläufe geht, habe ich solche Sätze noch nie gehört. Und das ist interessant: Wenn es im Leben wirklich um alles geht, wenn andere auf das Leben eines Verstorbenen zurückblicken, dann zählt offenbar nicht, ob einer sein Recht auf Teufel komm raus durchsetzen konnte und sich nichts gefallen ließ. Das bewundert niemand und findet niemand gut – und das ist gut so. Offenbar wissen wir, dass am Ende nicht zählt, ob wir unsere Interessen durchsetzen konnten, sondern ob wir geliebt haben und Gutes getan haben. Ob wir das Böse mit Gutem überwunden haben, wie es in der Bibel heißt.

Was eigentlich jeder weiß, sollte eigentlich auch in jeder Situation gelten. Auch im Kleinen: „Wenn es möglich ist, so habt mit allen Menschen Frieden.“  Auch mit denen, die euch dumm und krumm kommen. Und wenn Ihr deswegen auch mal eine Kröte schlucken müsst: Wenn es geht, dann tut es. Versucht, darüber zu lachen! Die meisten Streitigkeiten lohnen nicht.

Predigttext am Sonntag, 24. Juni 2018, ist Römer 12, 17-21.

Veröffentlicht unter Neues Testament, Paulus | Kommentar hinterlassen

Sich in Frage stellen lassen

Anonymous_BA_style_(6860033613)

Wer glaubt, er habe alleine recht, liegt falsch. (Foto: creativecommons / blmurch /  https://www.flickr.com/photos/blmurch/6860033613/)

Heutzutage sind sich manche schnell einig: „Das sind doch Idioten!“ Die anderen natürlich, die Politiker, die Funktionäre, die Gutmenschen oder die Populisten und all die anderen üblichen Bösewichte, auf die sich die Medien – in unserem Auftrag als Zuschauer – gerne stürzen. Feindbilder tun immer gut.

…und richten immensen Schaden an. Zum einen, weil wir es uns damit zu einfach machen. Wenn wir andere einfach als Quelle des Übels sehen, werden wir unsere Probleme wohl nie in Griff bekommen. Und zumindest kann man ja mal verstehen wollen, warum andere anders denken und handeln, als wir es für richtig halten – und wo vielleicht wir Fehler machen. Die Wurzel vieler Konflikte jedenfalls wird im Predigttext nächsten Sonntag klar benannt: „Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, betrügen wir uns selbst!“

Deswegen finde ich in den Medien eigentlich die Beiträge am interessantesten, die meine eigene Meinung nicht bestätigen. Das heißt ja nicht, dass ich ihnen zustimme. Aber man sollte seine eigene Überzeugung  immer mal wieder in Frage stellen lassen – oder jedenfalls die Folgerungen, die man daraus zieht.

Predigttext am Sonntag, 17. Juni 2018, ist 1.Johannesbrief 1,5 bis 2,6

Veröffentlicht unter Neues Testament, Sonstige Schriften | Kommentar hinterlassen

Ohne die Liebe wäre das Leben ein Irrtum.

iStock_000002902405Large

Liebe ist das einzige, was letztlich zählt. (Foto: iStock)

Ohne die Liebe wäre das Leben ein Irrtum. Den Satz darf nicht missverstanden werden, als ginge es dabei nur um die Liebe zu einem Mann oder zu einer Frau. Da kann es manchmal Irrtümer geben. Nein, es geht darum, dass das Leben gut und erfüllt ist, wenn man liebt – das Leben, sich selbst und die anderen.

„Wir lieben den Tod!“ brüllen uns Idioten und Selbstmordattentäter entgegen. Diese Killer sind wohl das beste Beispiel dafür, dass der Satz stimmt. Ohne Liebe, erfüllt von Hass, Gewalt und Dummheit ist das Leben ein Irrtum, falsch geführt und unsagbar dumm.

Ich denke, das lässt sich auch spüren: Wer liebt, lebt richtig. Das bedeutet nicht, dass Liebe leicht ist. Manchmal bleibt sie ohne Antwort oder man wird ausgenutzt. Aber wer anderen in Freundlichkeit begegnet – dem Bettler auf der Straße (gleichgültig, ob man ihm etwas gibt oder nicht) ebenso wie der ruppigen Dränglerin im Stadtbus, wird sich hinterher sicher besser fühlen, als wenn er der Liebe ade gesagt und sein Unverständnis oder seinen Ärger einfach so rausgelassen hätte.

Alle Menschen zu lieben, geht nicht, meinen Sie? Gewiss gibt es Grenzen, aber zunächst vielleicht ganz einfach nicht auf Kosten anderer zu leben, anderen gegenüber offen und für sich selbst verantwortlich zu sein und auch mal darauf achten, wie es dem anderen geht – das wäre doch schon sehr viel Liebe in unserer Welt.

Predigttext am Sonntag, 10. Juni 2018, ist 1.Korintherbrief 14 (Verse 1-3 und 20-25)

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

Veröffentlicht unter Neues Testament, Paulus | Kommentar hinterlassen